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Info "Winkelfehlsichtigkeit"
 
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Was ist ein "Polatest"?
Der "Polatest" ist ein spezielles Gerät, mit dem man das beidäugige Sehen testen kann. Eigentlich heisst die Testmethodik selbst "MKH" (Mess- und Korrektionsmethode nach Haase). Allgemein ist aber der Begriff "Polatest" bekannter.
Es gibt verschiedene Methoden, das Zusammenspiel der Augen zu kontrollieren. Eigentliche Schielfehler sind relativ einfach zu messen: In der Regel sind es grosse Abweichungen der Blickrichtung. Auch hier erhält man mit dem Polatest die genauste Messung. Damit sind aber neben den eigentlichen Schielfehlern auch kleinere Abweichungen, die oft als "verstecktes Schielen" oder "Heterophorie" bezeichnet werden, messbar. Hier sind zwar die beiden Augen aufeinander ausgerichtet, so dass ein gemeinsames Bild entsteht, aber es wird eine ständige Anstrengung benötigt um diese Ausrichtung aufrecht zu erhalten.
Bei der "MKH" (Mess- und Korrektionsmethode nach Haase), wird die Parallelstellung der Augen mit Hilfe von Stereobildern geprüft. Der korrekte Name für diese Abweichung ist dann "Fixationsdisparation" oder auch "Winkelfehlsichtigkeit". Im englischen Sprachgebrauch entspricht dies einer "Associated Phoria", aber nicht der "Fixation Disparity"

Was ist so speziell an diesem Test?
Was man wissen muss ist, dass stärkere Beschwerden in der Regel von den kleinen und nicht von den grossen Abweichungen verursacht werden. Bei den grossen Fehlern schauen die Augen nicht mehr zusammen. Dadurch entsteht ein mehr oder weniger sichtbares Schielen. Dies wird in der Regel weniger belastend empfunden, als die kleinen Abweichungen, wo man unbewusst versucht die Differenz zu korrigieren, was zu Verkrampfungen führen kann. Dies kann unter anderem Kopfschmerzen, Nackenbeschwerden oder legasthenieähnliche Probleme zur Folge haben.
Lese- und Schreibprobleme können entstehen, wenn sich die Augen nicht im Gleichtakt durch einen Text bewegen. Wenn ein Auge immer wieder "zurückspringt" um seine Muskelverkrampfung zu lösen, kann die Wahrnehmung beispielsweise nicht mehr zwischen "b" und "d" unterscheiden.
Die MKH ist so präzise, dass bei 80 % der Augenpaare eine Fehlstellung der Augen gemessen wird. Es ist deshalb ausserordentlich wichtig, dass diese Messungen auch richtig beurteilt werden. Nicht in jedem Fall ist es nötig, eine entsprechende Brillenkorrektur vorzunehmen.
Bildlich gesagt: Bei Halsschmerzen müssen die Mandeln nicht in jedem Fall operiert werden. Trotzdem muss man dies aber bei wiederholten, anhaltenden, starken Schmerzen in Betracht ziehen.
Eine MKH dauert 30 bis 60 Minuten. Obwohl das Polatestgerät in der Schweiz oft eingesetzt wird, wird diese Messmethode bisher noch nicht verbreitet angewendet.
Die Werte die mit diesem Test ermittelt werden, sind sehr gut reproduzierbar. Es ist aber möglich, vor allem bei älteren Verspannungen der Augenmuskulatur, dass diese nicht auf Anhieb gelöst werden können. In solchen Fällen ist innerhalb von Wochen oder Monaten mit einer Nachkorrektur zu rechnen.

Wie sieht eine solche Korrektur aus?
Eine Fixationsdisparation lässt sich in der Regel nur mit einer Brille und nicht mit Kontaktlinsen korrigieren. Die Gläser werden, entsprechend dem gemessenen Wert, keilförmig (prismatisch) geschliffen, so dass beide Augen ohne Anstrengung aufeinander ausgerichtet sehen können.



Wann kann diese Korrektur helfen?
Beschwerden, die mit solchen Sehfehlern im Zusammenhang stehen können: Kopf- und Nackenschmerzen, legasthenieähnliche Lese- und Schreibschwierigkeiten, Lichtempfindlichkeit, Unsicherheit im Gleichgewichts- und Distanzgefühl.

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Die Erfolgsquote (das Beseitigen oder deutliche Reduzieren der Beschwerden) ist, je nach Statistik, mit 70% bis 97,5% ausserordentlich hoch.

Nicht jede Abweichung muss korrigiert werden
Von Fachleuten, welche die "MKH" bzw. den Polatest nicht anwenden, hört man oft die Kritik, mit mit dieser Methode würden prismatische Werte künstlich hochgetrieben. Tatsächlich liegen aber 80 % der gemessenen Abweichungen unter 4 cm auf einen Meter Distanz. Nicht jede gemessene Abweichung muss jedoch korrigiert werden - entscheidend sind hierfür immer die individuelle Sehqualität und das Wohlbefinden der betroffenen Person.
Korrekturen nach MKH, die im Kindesalter gegeben worden sind, können sehr oft entsprechend dem Wachstum wieder reduziert werden. Häufig ist nach Beendigung des Wachstums keine prismatische Korrektur mehr nötig.
Es gibt allerdings auch etwa 5% der Betroffenen, die sehr hohe Werte erreichen und später unter Umständen nicht mehr prismatisch korrigiert werden können und eine Schieloperation benötigen. Dies ist aber ein Routineeingriff, bei dem das Auge nicht geöffnet werden muss.
Das heisst, mit dieser Korrektionsart haben wir eine sehr hohe Erfolgsrate, für meist schwer behandelbare Beschwerden, mit einem kleinem Risiko eines medizinischen Eingriffs.

Begriffe:

Polatest das Messgerät
MKH die Messmethode
Fixationsdisparation der gemessene Fehler
Heterophorie der gemessene Fehler
Winkelfehlsichtigkeit der gemessene Fehler
 
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